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Adidas gewinnt Patentstreit um Schuhe gegen Nike

Donnerstag, Nov. 27, 2014, 10:09



Nike hat sich in den vergangenen Jahren einen Riesenvorsprung bei Patenten in Europa erarbeitet. Zu Hause in Deutschland hat jetzt aber Konkurrent Adidas die Nase vorn – ein Nike-Patent wird gelöscht.

Der Herzogenauracher Sportartikelkonzern Adidas hat in einem laufenden Patentstreit mit dem Rivalen Nike einen entscheidenden Sieg errungen. Das Bundespatentgericht in München erklärte ein Patent für ungültig, mit dem Nike eine neue Fertigungstechnologie von Sportschuhen wie dem Nike Flyknit schützte.

Es handelt sich dabei um eine moderne Technik, die die Schuhproduktion revolutionieren könnte. Das Obermaterial der Schuhe wird aus einem Stück gestrickt, gehärtet und auf eine Sohle aufgesetzt. Das reduziert den Arbeitsaufwand im Vergleich zur traditionellen Herstellung mit mehreren Einzelteilen erheblich.

Die neue Technologie kommt derzeit nur in kleiner Serie zum Einsatz. Doch weil sie die Schuhproduktion stärker automatisiert, könnte sie einst dazu beitragen, diese wieder im größeren Stil nach Europa zu holen. Derzeit fertigt Adidas Schuhe der Serie Adizero Primeknit in China sowie in Deutschland.

Adidas und Nike beweisen Innovationsstärke

Für Adidas und Nike ist die neue Technologie eine willkommene Möglichkeit, die Innovationskraft unter Beweis zu stellen. Sie stehen unter dem Zwang, stets Neuheiten präsentieren zu müssen, um junge Menschen für die eigenen Produkte zu begeistern. Die neuartigen Strickschuhe werden als besonders passgenau und leicht vermarktet.

Nicht umsonst nutzten Adidas und Nike die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien in diesem Jahr als Bühne, um die Technologie vorzustellen. So präsentierte Adidas mit dem Samba Primeknit den ersten Fußballschuh aus dem neuen Material. Nike konterte mit dem Magista und brachte ihn sogar in WM-Spielen zum Einsatz.

Der Streit zwischen beiden Unternehmen tobt allerdings schon länger. Vor zwei Jahren war Nike im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele in London mit dem Versuch gescheitert, Adidas dauerhaft den Verkauf des Adizero Primeknit zu untersagen.

Nike-Patent wird wegen Adidas-Klage gelöscht

Nike sah sich in dem Streit im Recht, weil das Unternehmen schon seit Jahren ein vom Europäischen Patentamt erteiltes Schutzrecht für den "Sportschuh aus Textil mit schmelzbaren Fasern und Filamenten" hält. Auf 24 Seiten finden sich technische Zeichnungen und Beschreibungen der Materialien – auf Deutsch, Englisch und Französisch.

Seine Patentrechte konnte Nike allerdings trotzdem nicht durchsetzen. Das Landgericht Nürnberg-Fürth, bei dem Nike den Verkauf der Schuhe durch Adidas stoppen wollte, erklärte vor zwei Jahren, Nike habe keine Patentverletzung glaubhaft machen können.

Adidas kündigte daraufhin an, die Löschung des umstrittenen Nike-Patents zu beantragen. Die Herzogenauracher klagten vor dem Bundespatentgericht und bekamen nun Recht. Der zweite Senat erklärte das Nike-Patent am 30. Oktober für ungültig.

Rivalität zwischen Nike und Adidas ungebrochen

Adidas hatte in der Vergangenheit stets betont, dass von Nike patentierte Verfahren zur Herstellung der Schuhe mit der Häkeltechnik sei nicht neu. Erstmals sei das Verfahren bereits 1940 angewendet worden.

Das Urteil der Behörde gilt zwar nur für Deutschland, doch es hat auch Signalwirkung für die anderen Märkte. Adidas sieht auch deswegen davon ab, die Löschung des Nike-Patents in Märkten wie Frankreich und Großbritannien zu beantragen. Man gehe davon aus, dass die Gerichte dort nicht anders entschieden als in München, heißt es.

Die Auseinandersetzung vor Gericht zeigt, wie stark die Rivalität zwischen den beiden Unternehmen ist. Während Adidas zuletzt mehrfach die eigenen Ziele verfehlte und einräumen musste, in wichtigen Märkten Trends verschlafen zu haben, läuft es bei Nike derzeit sehr gut.

Nike ist in einer guten Position, über Patentrechte Druck auf Wettbewerber auszuüben. In der Gruppe der fünf bedeutendsten Sportartikelhersteller hält Nike acht von zehn Patenten, ermittelte die Patent- und Rechtsanwaltskanzlei Grünecker in einer Studie, die der "Welt" vorliegt.

Nike hat bei Patenten in Europa die Nase vorn

"Der Vorsprung, den Nike sich mit seinen Patenten auf dem europäischen Markt geschaffen hat, ist von der deutschen Sportartikelindustrie nur schwer aufzuholen", sagt Ulrich Blumenröder, Rechtsanwalt der Kanzlei.

Es gibt allerdings Zweifel daran, dass die reine Anzahl von Patenten gleichbedeutend mit der Innovationskraft eines Unternehmens ist. Adidas verweist gerne darauf, dass man eben nicht jedes Designmuster als Patent anmelde und Patente stärker bündele.

Doch Patente werden häufig nicht nur zum Schutz der eigenen Technologien verwendet, sondern auch, um Rivalen in die Parade zu fahren. "In Branchen, in denen alle an sehr ähnlichen Innovationen arbeiten, lohnt es sich, Konkurrenten über Patente auszubremsen", sagt Experte Blumenröder.

Ob der Streit mit der Entscheidung aus München endet, das ist allerdings eine offene Frage. Nike hat noch die Möglichkeit, die Entscheidung vor dem Bundesgerichtshof anzufechten. Ob das Unternehmen den Schritt gehen wird, teilte es auf Anfrage der "Welt" zunächst nicht mit.

QUELLE: DIE WELT

Produkt-Gruppen: Shoes, Footwear, Accessories
Märkte: Women's, Men's

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